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LES an der Mosbacher Lehrstellenbörse

Firmen in der Region suchen Nachwuchs

Dritte Lehrstellenbörse des Neckar-Odenwald-Kreises wächst weiter – Jugendliche informierten sich in der Pattberghalle aus erster Hand.

„Nimm deine Ausbildung selbst in die Hand“ steht auf einem Flugblatt der eintägigen Lehrstellenbörse des Neckar-Odenwald-Kreises als Aufforderung an die jugendliche Zielgruppe. Und dazu boten die über 40 Unternehmen und Institutionen an ihren Ständen einen einfachen Zugang – zumindest, um den ersten Schritt zum Ausbildungsplatz machen zu können, der immer mit der persönlichen Kontaktaufnahme beginnt.

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„Informieren, Qualifizieren, Profitieren!“ seien die Leitbegriffe, wie sie Klaus Hofmann, Vizepräsident der Handwerkskammer Mannheim-Rhein-Neckar-Odenwald, zum Start am Samstagvormittag in der Pattberghalle auflistete – „nicht quantitativ, aber in der Qualität gewachsen“ sei dieses Ereignis. „Nie war sie so wichtig wie heute“, beschrieb auch der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar-Odenwald, Harald Töltl, die Durchführung solcher Ausbildungsmessen, denn schließlich fehlen nach Hochrechnungen bald um die 300 000 Fachkräfte pro Jahr am heimischen Arbeitsmarkt.

Seitens der Politik unterstützt man diese Bemühungen gerne: Landrat Dr. Achim Brötel freute sich über die „tolle Plattform für junge Leute“ und sprach allen Beteiligten rund um die Organisatoren von der IHK, der Handwerkskammer sowie den Kooperationspartnern der Kreishandwerkerschaft und der Stadt Mosbach seinen Dank aus. Oberbürgermeister Michael Jann merkte an, dass der „Fachkräftemangel bereits im ländlichen Raum angekommen“ sei. Insbesondere bei handwerklichen Berufen, für die nicht jeder studieren müsse, bestünde ein stetig wachsender Bedarf. Und auch Bundestagsabgeordneter Alois Gerig (CDU) stimmte mit ein und rief den Jugendlichen zu: „Eure Chancen waren noch nie so gut wie heute!“

In einem Rundgang besuchten die Gäste die Standbetreiber und machten sich dabei selbst ein Bild von der stetig vielfältiger werdenden Welt der Ausbildungsberufe. Zu finden waren aber hier und da auch Informationsangebote zu Berufen des dualen Studiums sowie Stände von beruflichen Schulen. Letztere haben die Lehrstellenbörse für sich entdeckt. „Wir haben diesmal auch unsere Zahnmediziner dabei, und es kommen viele junge Leute an den Stand“, war Schulleiter Ralf Trabold von der Ludwig-Erhard-Schule Mosbach zufrieden. Und die Gewerbeschule Mosbach nutzte einen Roboter namens „Robotino“ zur Verteilung von Werbeheften, der, gesteuert mit einem Gamepad, explizit auf die Faszination technischer Berufe aufmerksam machen sollte.

Insgesamt dürften aber etwas weniger Interessenten gekommen sein als zuletzt. Gründe dafür lassen sich erblicken in der guten Marktlage und nicht zuletzt darin, dass im Vorjahr eine Vielzahl von Flüchtlingen auf Jobsuche war. So war besonders an den Ständen des Bau- und Industriehandwerks etwas weniger los – Nachfrage aber durchaus vorhanden, wie etwa Obermeister Tobias Hotz von der Metall-Innung bestätigte, der an klassischen Fräswerkstücken aufzeigte, dass man hier „gute Arbeit leisten kann, ohne viel reden zu müssen“.

„Man muss sich zeigen!“, betonte etwa Obermeister Bernd Beikirch von der Friseurinnung Buchen, der die Dimensionen der Friseurausbildung beschrieb. Sehr häufig hatten die Betriebe auch „Azubis“ mitgebracht, die aus erster Hand zur Erlebenswelt der Lehrzeit erzählen konnten. „Welchen Schulabschluss braucht man denn bei euch?“, war nicht selten die erste Frage. Manchmal überraschte die Antwort positiv: „Wir nehmen weiterhin auch Realschüler“, sagte etwa Ausbildungsleiterin Stefanie Köhler von der Volksbank Mosbach mit Blick auf den Beruf der Bankkaufleute.

Genaueres Nachhören bei den Betrieben konnte aber auch den häufig verallgemeinerten Begriff des „Fachkräftemangels“ in etwas anderem Licht erscheinen lassen. „Berufskraftfahrer finden wir kaum, aber im kaufmännischen Bereich haben wir eine Vielzahl von Bewerbungen“, erläuterte Ausbildungsleiter Sahin Ünlü von der Spedition Spitzer aus Mosbach, dass der Fachkräftemangel mehr als Phänomen bestimmter Branchen zu begreifen ist – dort aber zum echten Problem werden kann.

Quelle: RNZ, Mosbacher Nachrichten vom Dienstag, 10. Oktober 2017, Seite 5.

(Text: Frank Heuß, Fotos: Frank Heuß und Michaela Brauch-Sievert)